Der Alkoholiker und der Rauschzustand

Der Rauschzustand war für mich immer ein toller Bewusstseinszustand. Alle Belastungen und Sorgen schwammen davon und ich fühlte mich gut, frei, gleichgültig, lustig, mutig, selbstbewusst, gutaussehend, glücklich… Große Hürden waren plötzlich fast lächerlich klein. Wer bitte möchte sich nicht auch so fühlen? Jeder!

Es war mir auch immer egal, wie und mit welchen Getränken ich diesen Zustand erreichen konnte. Geschmeckt hatte mir  Alkohol ja nie, aber allein der Gedanke an den Rauschzustand war so dominierend, dass ich sogar lauwarmen Whisky getrunken habe.

Im Rausch glaubte ich die wahre Lebensqualität entdeckt zu haben und ich war süchtig danach, süchtig nach Alkohol!

Wenn dem nicht so wäre, dann hätte ich nicht 2 Jahrzehnte unter Alkoholismus gelitten. Der Alkohol war mein schönstes Hobby und jeder weiß wie schwer es ist, sich von einem tollen Hobby trennen zu müssen.

Viele Menschen können einfach nicht von ihrer Alkoholsucht lassen, das kann ich absolut verstehen.

Die Vorstellung „nie mehr Alkohol“ trinken zu sollen oder zu dürfen ist für einen Alkoholiker unerträglich. Die Verlustängste sind unerträglich. Der Alkoholiker denkt immer nur an die lustigen, entspannenden Gefühle, welche ihm der Alkohol vermittelt. An den Kater nach einer durchzechten Nacht denkt er kaum. Das Elend welches er bei seinen Angehörigen verursacht verdrängt oder verharmlost er. Er lässt sich den Alkohol von niemanden nehmen. Er hat ein Recht darauf…

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