Presse

Hat für einiges Aufsehen gesorgt dieser Bericht. Im ersten Moment schämte ich mich etwas, weil als Alkoholiker wird man bei uns immer noch als Assi eingestuft, obwohl meine Alkoholabhängigkeit viele Jahre zurück lag. Dann dachte ich: für was muß ich mich denn eigentlich schämen? Durch das Lassen vom Alkohol konnte ich meine Familie retten, meinen Job und meinen Führerschein behalten und so vieles Positives mehr. Diese Lebensqualität welche ich heute jeden Tag spüren darf, ist einfach nur wundervoll. Sollte ich mich also für etwas schämen, dass jeder haben möchte?

Ich war in den letzten Wochen einigemale im Gasthaus und sogar auf der Strasse wurde ich oft auf diesen Bericht angesprochen. Das Feedback war durchwegss positiv, das überraschte mich schon. Sogar einige Betrunkene fragten mich,wie sie vom Alkohol loskommen könnten-sie hatten allerdings mein Buch noch nicht gelesen-mit so etwas hätte ich niemals gerechnet.

Meine Botschaft: Ich möchte, dass DU schneller vom Alkoholsucht befreit wirst, als ich.

 

Vollständiger Zeitungsbericht:

 

 

Der Rausch war mein “schöner” Lebensinhalt

 

“Das Trinken machte mir bis zum Schluss Spaß. Es war mein schönstes Hobby. Aber die Nebenwirkungen waren irgendwann nicht mehr auszuhalten”, gesteht René Zeiner, der fast 2o Jahre lang vom Alkohol abhängig war. “Erst ein paar Jahre bevor ich den Alkohol nicht mehr anrührte, merkte ich, dass er mein Leben total dominiert. Ich spielte diese Tatsache aber herunter. Machte Späße darüber, indem ich sagte, dass ich endlich mal zum “Entsafter”, also in die Entziehungsanstalt müsste.” Jedes Wochenende war er knallvoll mit Alkohol. Auch wenn er krank war. “Ich trank mich fast immer ins Koma.” Unter der Woche arbeitete er fleißig als LKW-Fahrer, vor allem in Österreich. Er machte viele Stunden. Aber der Alkohol war auch während der Arbeitszeit sein ständiger Begleiter. “Früher war es unter den LKW-Fahrern nichts Besonderes, wenn man betrunken gefahren ist. Ein Wahnsinn”, kann er heute darüber nur den Kopf schütteln.

 

Knapp den Tod entronnen!

 

Zeiner kann mindestens 2o Mal mit dem Leben davon-auf der Straße und beim Komasaufen. “Das Sterben im Komarausch ist leicht. Man schläft ein und stirbt an einer Überdosis.” Seit seinem 18. Lebensjahr arbeitete er als LKW-Fahrer. Kurz davor lernte er seine spätere Ehefrau Petra (heute 40) kennen. “Damals war ich sicher schon schwer vom Alkohol abhängig.” Bis heute ist Petra bei ihm. Sie stand den Wahnsinn mit ihm durch. “Weil die Liebe bis heute einfach stark genug war. Außerdem hatte sie immer die Hoffnung, dass das Alkoholproblem kleiner wird oder verschwindet. Ich versprach ihr das sogar, habe diese Versprechen aber immer gebrochen. Sie bat mich zumindest daheim und nicht immer im Gasthaus zu trinken. Das tat ich dann auch. Ich hatte natürlich ein schlechtes Gewissen gegenüber meiner Frau, Aber dachte, wenn ich arbeite, habe ich auch das Recht zu trinken”, so Zeiner, der schon jung Papa von Denise (22) wurde. “Als Alkoholiker war es sehr schwer eine gute Beziehung zum Kind aufzubauen. Es waren viele verlorene Jahre”, bedauert er unendlich, obwohl er immer versuchte, mit seiner Familie einiges zu Unternehmen.

 

Mit Alk in den Auflug

 

“Aber ich schaute immer, dass bei den Ausflügen ein Gasthaus in der Nähe ist. Dadurch konnte es natürlich keine Harmonie in der Familie geben”, so Zeiner, dem die massiven Entzugserscheinungen im Laufe der Jahre immer mehr zu schaffen machten. Sie schlugen ja überfallsartig zu, sobald der Alkoholspiegel sank. “Bei diesen Entzugserscheinungen kommt eine fürchterliche Todesangst auf. Ich glaubte, keine Luft mehr zu bekommen und sterben zu müssen. Aber zuerst schiebt man diese Zustände nicht auf den Alkohol. Anfangs brachte man mich auf schnellsten Weg sogar ins Krankenhaus, weil man glaubte, es handelt sich bei den Ängsten um einen Herzinfarkt. Aber es war organisch alles in Ordnung. Dass die Zustände nervlich bedingt sind, sagte mir damals niemand. Ich versuchte also einfach weiter zu trinken, sobald diese schweren Ängste wieder einsetzten, je mehr der Spiegel anstieg, umso besser ging es mir wieder”, erinnert sich der gelernte Fleischer. Ein Teufelskreis, aus dem er viele Jahre nicht herauskam. “Ich wollte dann irgendwann unbedingt weg vom Alkohol. Aber es war unmöglich!” Auch mit Depressionen hatte er zu kämpfen. “Weil einem wahrscheinlich gewisse Stoffe sehr fehlen, die einem der Alkohol aus dem Körper schwemmt.” Mittlerweile war René auch Papa von Michelle (14) geworden.

 

Ein Versuch

 

Eines Tages schleppte ihn ein Freund zu den anonymen Alkoholiker. “Mir war nicht klar, dass ich bereits ein riesiges Problem mit dem Alkohol hatte.” Nach den Gesprächen schaffte es René, den Alkohol ganze zwei Monate stehen zu lassen. “Das war ein riesen Erfolg. Auf der anderen Seite brach für mich eine Welt zusammen. Ich ließ ja die “schöne” Zeit des Trinkens hinter mir-meinen Lebensinhalt! Es war wirklich sehr schlimm”, erzählt Zeiner. Der Rückfall ließ aber nicht lange auf sich warten: “Ich verfiel wegen einer Sache, die nicht gut lief, wieder in dieses typische Selbstmitleid. Wo man dann meint, man muss sich jetzt niederschütten.” Nach ein paar Wochen des Trinkens suchte Zeiner die anonymen Alkoholiker wieder auf. “Aber ich versuchte, auch sehr viel zu meiner Genesung bei zu tragen. Ich begann viel Fachliteratur zu lesen, schaute auf mein Leben zurück und machte Inventur. Da kommt man auf vieles drauf, was alles so schief lief und welche Fehler man keines Falls mehr machen sollte. Ich suchte nach Gründen, warum ich dieses Gefühl des Rausches so oft brauchte und so weiter. Das ist sehr wichtig, um auch eine geistige Gesundheit zu erlangen, die man braucht, um wirklich von der Droge weg zu kommen.”

 

Rückfall

 

Dann folgte allerdings ein kapitaler Rückfall. “Die Entzugserscheinungen zogen sich nach dem Rausch über Tage. Es war furchtbar! Doch ab dem Zeitpunkt erreichte ich dann wirklich eine andere Bewusstseinsebene. Ich kapierte endlich voll und ganz, dass ich ohne Alkohol richtig glücklich sein kann und mit nicht. Und, das es der Sinn des Lebens ist, glücklich zu sein. Das heißt immer, dass es von der Alkoholsucht keine Heilung gibt. Aber es gibt sie. Man muss schauen, dass der Geist gesund wird”, so Renè, der mit seiner Petra jetzt eine wunderbare harmonische Ehe führt. Mit Schaudern denkt er mittlerweile an seine Zeit als Alkoholiker zurück. “Mit 13 Jahren erlebte ich ja meinen ersten Komarausch, inmitten meiner Freunde, die ebenfalls alle extrem zur Flasche griffen. Das Komatrinken wurde damals genau so intensiv betrieben wie heute. Heute wird das eben nur mehr Publik”, so Zeiner der keine einfache Kindheit hatte. “Aber es werden ja auch Menschen zu Alkoholikern, die es gut hatten”, weiß er genau.

 

Buch

 

Zeiner schrieb nun eineinhalb Jahre lang an einem Buch mit dem Titel “Rettung aus der Hölle Alkohol”. “Es soll eine Begleitung aus dieser Hölle zur geistigen Gesundheit sein. Ich versuche die Leute an der Hand zu nehmen, weil es alleine sehr schwer ist vom Alkohol wegzukommen. Oft wissen sie ja auch nicht, wie man das schaffen kann.” Das rund 120-seitige Buch ist im Eigenverlag erschienen. Erhältlich auf amazon.at oder unter www.leseratte-der-ebookshop.at. René weiß genau: “Das Alkoholproblem in Osttirol ist sehr groß. Auch viele Frauen trinken, aber eher in den eigenen vier Wänden und dort oft auch noch heimlich”, so Zeiner, der viele seiner Bekannten und Freunde durch Verkehrsunfälle und Krankheiten, bedingt durch den Alkohol, verlor. Zeiner war die letzten zehn Jahre selbständiger Kaufmann. Durch die Spätfolgen des Alkoholkonsums musste er den Job allerdings aufgeben. “Ich werde jetzt aber wieder in Selbständigkeit zurückkehren.”

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