Alkoholismus bei einem Bekannten

Vor ein paar Tagen fuhr ich am Morgen mit meinem Auto in Richtung Stadtmitte. Vor einem Lokal sah ich vier Leute stehen. Als ich näher ran kam, erkannte ich zwei von ihnen. Es waren ein Bekannter und seine Freundin, beide ungefähr in meinem Alter. Als dann der Mann in meine Richtung schaute, erkannte ich rasch wie stark betrunken er war. Seine Augen waren nur halb geöffnet und er taumelte. Der hat sicher die ganze Nacht durchgesoffen, war mein erster Gedanke. Dann fuhr ich an ihnen vorbei. Einige Minuten später, ich hatte gerade mein Auto geparkt, sah ich die vier wieder. Eigentlich schaute ich nur auf den Bekannten, wie er total orientierungslos umhertaumelte.
Was für ein Anblick. Gedanken an meine Trinkerzeit schossen mir durch den Kopf. Gedanken an meine durchgezechten Nächte, beinahe hätte ich kotzen müssen, so grauenhaft waren diese Gefühle. Ich wurde richtig wütend und dachte nur: wenn ich jemals wieder Alkohol trinken würde, dann bringe ich mich um. Diese Wut entstand deshalb weil ich durch meinen ständigen Alkoholismus so Vieles falsch machte. Was ich in dieser Zeit alles erreichen hätte können sehe ich oft bei vielen Bekannten. Ich empfinde absolut keinen Neid ihnen gegenüber, aber ich ärgere mich über meine verlorene, vergeudete, versoffene Zeit.

Zwei oder drei Minuten später habe ich mich wieder beruhigt und meine Wut war verflogen. Ich verspürte nur noch tiefe Dankbarkeit. Laut und aus tiefsten Herzen dankte ich Gott für mein Leben ohne Alkohol.

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