Warum wollte ich betrunken sein?

 

Gibt es wirklich Gründe sich zu betrinken?

Ich kann nur für mich sprechen: ja es gab sie. Das ist mir allerdings erst in meiner Zeit der Trockenheit bewusst geworden. Erst als ich „nüchtern“ wurde, nicht körperlich nüchtern, sondern geistig. In meiner Kindheit lebte ich sehr oft in Angst. Diese Angst verschwand im alkoholisierten Zustand völlig. Auch z.B. meine Minderwertigkeit, Stress, Druck, Belastungen die das Leben so mit sich bringt,… waren im Rauschzustand auf einmal verschwunden. Ich war zwar noch kein Alkoholiker und ich kann auch heute noch nicht sagen, wann ich zum Alkoholiker wurde, aber der Alkohol half mir über diese Dinge hinweg. Bevor ich alkoholabhängig wurde, verspürte ich keine Entzugserscheinungen, aber irgendwann kamen die Symptome wie z.B. die Angst am Tag nach einem Vollrausch in so einer starken Form zurück, dass es kaum mehr auszuhalten war. Ich versuchte dann mit Bier diese Zustände zu dämpfen, was mir allerdings nicht gelang. Erst als ich Schnaps dazutrank liesen diese grauenhaften Zustände langsam nach und als mein Promillespiegel wieder hoch genug war, verschwanden sie völlig. Probleme und negative Zustände habe ich logischerweise heute auch noch, jeder Mensch hat sie. Aber heute ist nicht mehr der Alkohol meine Medizin, sonder da gibt es sehr viele gute Alternativen. Ich persönlich verzichte so gut es geht auf Medikamente, aber das sollte jeder selbst für sich entscheiden.

Ich habe mit dem Alkohol sehr viel schöne Stunden verbracht, das werde ich niemals leugnen. Er war mein Freund, aber als er einige meiner Freunde getötet hatte und auch mir Schmerzen zufügte, wollte ich mich von ihm trennen. Das war allerdings lange Zeit nicht möglich. Ich hasste ihn zwar, aber trotzdem zog es mich immer wieder zu ihm hin. Irgendwann konnte ich dann völlig loslassen und der Hass auf ihn war auch vergangen.

Heute treffe ich ihn fast täglich, aber es berührt mich nicht mehr.

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